Urheberrecht bei Bildern: So gehen Sie auf Nummer sicher

Urheberrecht bei Bildern: So gehen Sie auf Nummer sicher

von Marco Meindorfer (Kommentare: 0)

Jeden Tag werden durch das Internet Millionen von Bildern verbreitet. Hinsichtlich deren Verwendung im Netz besteht allerdings noch eine große Unwissenheit, die nicht vor Strafe schützt und im Zweifelsfall teuer werden kann. Was hinter dem Urheberrecht steckt, wie Sie Bilddatenbanken richtig nutzen und welche Konsequenzen bei Urheberrechtsverletzungen drohen, erfahren Sie im Folgenden.

Sie wollen sofort tiefer einsteigen? In diesem Artikel erfahren Sie alles zum Urheberrecht in den sozialen Medien.

© SimonLukas / istockphoto.com

Was beinhaltet das Urheberrecht für Bilder?

In Deutschland gilt das Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG), in dessen erstem Paragraph es heißt: „Die Urheber von Werken der Literatur, Wissenschaft und Kunst genießen für ihre Werke Schutz nach Maßgabe dieses Gesetzes.“ Unter diesen Schutz fallen auch Fotos, bei denen in sogenannte Lichtbildwerke und Lichtbilder unterschieden wird.

Was sind Lichtbildwerke?

Bei Lichtbildwerken steht die Gestaltung des Fotos im Mittelpunkt und weniger die einfache Dokumentation eines Ereignisses oder einer Situation. Diese Werke zeichnen sich durch eine persönliche geistige Schöpfung aus, durch Kreativität und Individualität entsteht eine gewisse Gestaltungshöhe. Folgende gestalterische Merkmale werden dabei bewusst ausgewählt und genutzt:

  • Motivwahl
  • Bildausschnitt und Perspektive
  • Licht und Schatten
  • Schärfe und Kontrast
  • Einsatz von Filtern oder anderer Technik
  • Retusche, Montage oder Collage
  • Stimmung und Emotionen

Auch 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers besteht für Lichtbildwerke der Schutz durch das Urheberrecht, anschließend geht dieser auf dessen Erbe über. Innerhalb dieses Zeitraums trifft der Rechteinhaber Entscheidungen über die Art und Weise der Nutzung seines Werks.

Was sind Lichtbilder?

Demgegenüber stehen Fotos ohne einen kreativen und individuellen Einfluss, die das UrhG als Lichtbilder bezeichnet. Hierbei handelt es sich um eine unveränderte und naturgetreue Wiedergabe. Dazu gehören beispielsweise Urlaubsbilder, Familienfotos oder auch Beiträge der Bildberichterstattung, die Geschehnisse unter anderem für Zeitungen dokumentieren. Ebenso fallen Produktfotografien, die in der Werbung oder auch bei Angeboten in Online-Auktionshäusern zum Einsatz kommen, unter die Lichtbilder. Sie alle stehen unter urheberrechtlichen Schutz und unterliegen denselben Regelungen wie Lichtbildwerke, lediglich die Schutzdauer fällt mit 50 Jahren ab Veröffentlichung (falls nicht erfolgt: 50 Jahre ab Herstellung) kürzer aus.

Darüber hinaus sind weitere wesentliche Richtlinien im Umgang mit Fotografien zu beachten:

1. Ein fehlender Copyright-Hinweis ist keine Einladung zur kostenfreien Nutzung des Bildes! Das Foto kann trotz fehlendem Eigentumsnachweis urheberrechtlich geschützt sein

2. Auch die sogenannte Creative Commons Lizenz, welche Bilder zur gemeinschaftlichen und kostenfreien Nutzung freigibt, befreit nicht von der Nennung des Urhebers. Die Wahrung der Nutzungsbedingungen und der Copyright-Nachweis sind auch hier unumgänglich.

3. Es gibt keine Verjährungsfrist für die unerlaubte Nutzung von Bildern.

Wie verwendet man Bilder auf seiner Website rechtlich einwandfrei?

Auch wenn im Netz unzählige Bilder zur Verfügung stehen, haben die Urheber dieser Bilder nach dem deutschen Urheberrechtsgesetz zahlreiche Rechte. Der Urheber allein bestimmt, ob und wie seine Bilder benutzt werden dürfen. Das wird im §19a UrhG geregelt, das besagt, dass allein dem Urheber das Recht zur „öffentlichen Zugänglichmachung“ seiner Bilder zusteht. Auch im digitalen Umfeld gibt: Der Urheber des Bildes kann entscheiden, in welcher Art und Weise sowie in welchem Umfang die Bilder genutzt werden dürfen. Soll die Verwendung der Bilder anderen gestattet werden, muss sich der Inhaber das Recht der Unterlizensierung einräumen lassen.

WICHTIG: Ohne ausdrückliche Zustimmung des Urhebers der Bilder (Fotograf) oder des Rechteinhabers sollte Sie grundsätzlich keine Bilder auf Ihrer Website, in Ihrem Blog oder in Werbeanzeigen verwenden.

Brauche ich eine Zustimmung bei kostenlosen Bildern von Datenbanken?

Viele Bilddatenbanken wie beispielsweise Shutterstock oder istockphoto bieten Fotos kostenlos oder lizenzfrei zur Nutzung an. Das heißt allerdings nicht, dass Sie diese Bilder einfach downloaden und selbst nutzen dürfen. Auch hierbei ist ein Nutzungsvertrag über die Bilder notwendig (Nutzungrecht beachten!). Häufig wird die Art der Nutzung lizenzfreier Bilder beschränkt, beispielsweise auf die Nutzung in einem privaten Blog. Darüber hinaus behält der Fotograf das Recht der Urhebernennung.

Hinweis:

Die Regelungen zur Zustimmung und Urhebernennung finden Sie in den Nutzungsbedingungen (AGB) und/oder Ihrem Konto des jeweiligen sozialen Netzwerks.

Welche Nutzungsrechte gibt es?

Besitzen Sie das Recht der Nutzung eines Bildes, bedeutet das nicht, dass Sie es immer und überall verwenden dürfen. Achten Sie stets darauf, welches Nutzungsrecht Ihnen gewährt wird – die folgende Übersicht hilft Ihnen dabei:

  • einfaches/ausschließliches Nutzungsrecht
  • zeitlich beschränkt/zeitlich nicht beschränkt
  • Nutzungsrecht für Print/ Online/Social Media
  • weltweite Nutzung/ beschränkt auf bestimmte Länder
  • übertragbares/nicht übertragbares Nutzungsrecht 
  • Recht zur Bearbeitung des Bildes/Recht zur bloßen Benutzung des Bildes ohne Bearbeitung
  • kommerzielle Nutzung/ausschließlich private oder redaktionelle Benutzung

Welche Konsequenzen drohen bei Urheberrechtsverletzungen?

Bei einer Urheberrechtsverletzung kann es für Sie ungemütlich und unter gewissen Umständen auch sehr teuer werden.

Welche Urheberrechtsverletzungen gibt es?

Ob sich eine Urheberrechtsverletzung in der realen oder digitalen Welt abspielt, ist in der Regel nicht von Bedeutung. Urheberrechtsverletzungen können auf vielfältige Art und Weise erfolgen, zu den häufigsten Verstößen gehören:

  • Fehlende oder nicht den AGB entsprechende Nennung des Fotografen und/oder der Bildagentur bzw. der Datenbank
  • Nutzung der Bilder, die nicht den Lizenzbedingungen entspricht (Beispiel: Kommerzielle Nutzung von Bildern mit ausschließlicher Freigabe für redaktionelle Verwendung)
  • Unerlaubte Weitergabe der Bilder oder der Nutzungsrechte an Dritte

Die Abmahnung ist oft der erste juristische Schritt nach einer Urheberrechtsverletzung,
Nach einer Urheberrechtsverletzung ist die Abmahnung häufig der erste Schritt. Die mit einer Abmahnung verbundenen Vorschriften werden im Urheberrechtsgesetz (UrhG) unter § 97a aufgelistet.

Durch die Abmahnung bei einem Verstoß gegen Urheberrechte können auch Ansprüche geltend gemacht werden. Die folgenden Fälle sind die häufigsten:

  1. Anspruch auf Unterlassung: Der Unterlassungsanspruch erfüllt den Zweck, eine Wiederholung der Urheberrechtsverletzung zu vermeiden.
  2. Anspruch auf Beseitigung: Der Beseitigungsanspruch ergänzt häufig den Anspruch auf Unterlassung und stellt sicher, dass der rechtswidrige Zustand behoben wird.
  3. Anspruch auf Schadensersatz: Der Schadensersatzanspruch macht die Entschädigung für finanzielle Einbußen geltend.

Welche Kosten fallen bei der Abmahnung wegen einer Urheberrechtsverletzung an?

Über die Kosten, die im Falle einer Abmahnung entstehen, lassen sich keine pauschalen Aussagen treffen, da sie maßgeblich vom Ausmaß des Verstoßes abhängen. Sie setzen sich aus dem Schadensersatz und dem Aufwendungsersatz zusammen. Allerdings können schon kleinere Vergehen unangenehme Folgen haben und Sie können auch dann rechtlich belangt werden, wenn Sie aus Unwissen gegen das Urheberrecht eines Bildes verstoßen haben! Im Fall einer rechtmäßigen Abmahnung müssten Sie dann zumindest die Abmahnkosten tragen und eine Unterlassungserklärung unterschreiben. Das heißt, Sie verpflichten sich, auf die weitere Nutzung des unerlaubt verwendeten Bildes wie bislang geschehen zu verzichten.

Achtung: Haben Sie bereits beim ersten Verstoß fahrlässig gehandelt, also beispielsweise bei der Nutzung gekaufter Fotos die AGB der Bildagentur oder Fotodatenbank beziehungsweise die Lizenzbedingungen nicht beachtet, müssen Sie nicht nur die Abmahnkosten tragen, sondern unter Umständen zusätzlich Schadensersatz leisten – und hierbei kann es richtig teuer werden!

Rechtsanwalt Jens Ferner stellt auf seinem Blog eine einen Überblick über vergangene Rechtsprechungen bei Urheberrechtsverletzungen zur Verfügung.

Fazit:

Mit Urheberrechtsverletzungen ist definitiv nicht zu spaßen, auch Unwissenheit schützt vor Strafe nicht: Gehen Sie deshalb immer auf Nummer sicher und holen Sie sich beim Umgang mit fremden Materialien die entsprechend notwendigen Nutzungsrechte an. Ansonsten können selbst kleine Vergehen zu Strafen im vierstelligen Bereich führen.

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